Mein Freund Mister Braun
Mit meinem Kugelschreiber verewige ich mich unter dem Bett, ich schreibe meinen Namen „John de Flair“ normaler weise schreibt man Deflair zusammen, aber ich finde getrennt wirkt es edler und es würde eh niemand erfahren. Ich schreibe also auch meine Hautfarbe hinzu, viele interessiert das, denke ich zumindest .. „zartbitter braune Haut“ nun klingt es fast wie eine Suchanzeige unterm Knastbett, kurz denke ich darüber nach, tue es als albern ab und schreibe noch mein Alter in schnörkelhafter alter Schrift hinzu, so schön und filigran,wie es mir möglich ist, es soll gebildet aussehen „29 Jahre“ ich bin jung, denke ich und mit einem Tag, fühle ich mich alt, an dem Tag, an dem ich dieses Bett bezogen haben. Ich sitze auf dem Boden, starre zur Decke, strecke die Beine aus und lehne mich mit der Schulter an mein zur Seite geschobenes Leihbett. Ein flüchtiges Grinsen rutscht mir von den Lippen, bei dem Gedanken der nächste Bewohner könnte dies als eine Anzeige zum Sex deuten, nichts unübliches,aber unüblich, so etwas unter das eigene Bett zu schreiben.
Eine kleine Fliege krabbelt über meine schnörkelhafte Schrift, ich haue drauf und erinnere mich an die Worte einer guten Freundin „ töte nur das, was du auch bereit bist zu essen.“ Wieder grinse ich, trotz ihres Todes bringt sie mich immer wieder zum grinsen,lachen und nachdenken. Es war richtig ihren Mörder zu töten, daran habe ich nie gezweifelt,jeder Preis wäre der richtige gewesen, der Richter sagt, das ich ein Unmensch bin, weil ich wohl so absolut gnadenlos war, das hat sich hier schnell herumgesprochen, die Insassen halten sich von mir fern, was gut ist, denn Freunde bringen nur Kummer und Leid. Ich sehe dieses tote Tier und sehe wieder zu meinem Leihbett, bald bin ich hier schon wieder draußen, ja das war es alles wert. Mit Druckbuchstaben schreibe ich unter meinem alter „glücklicher Moerder von Micheal Wirtschaft!“ Ich freue mich keine Ö-Punkte zu brauchen, sie hatte sie immer gemacht als kleine Kreuze statt Punkte 
Irgendwann werde ich es sicherlich bereuen, stehe nun aber mit einem seufzen auf und schiebe das Bett zurück an seine stelle, dort wo es sicherlich schon seid 200 Jahren steht.
Michaels Grab besuchen und dann das ihrige, um ihr zu sagen, das ihre Blumen die schönsten von allen sind und das wir sie alle vermissen, das ist der Plan, wenn es in drei Monaten hier rausgeht.
Die Sichtluke der Zelle schob sich auf. „Weg von der Tür, ich schließe zum Freigang auf!“ „jo, mach mal!“ antwortete ich barsch, obwohl das an der Tür mein einziger und bester Freund war. Die Tür öffnete sich, schwerfällig und Laut. Ich zog meine dünne Jacke an, doch bevor ich den zweiten Arm drin hatte „Es ist warm draußen, irgendwas um die 27°!“ er war nett und machte sich Gedanken um mich „ahh, cool man, danke“ er grinste mich an und schwang den Zellenschlüssel in seiner Hand. „ nun komm, sonst ist die Zeit um, bevor du die Blumen heute siehst“ Ich ging zur Zelle raus und sah Treum, der heutige Aufpasser von Braun, ich mochte ihn nicht, er ist arrogant und gemein, er redet nicht mit uns Gefangenen. „Ich habe heute wieder ein Brief an Misses Finn geschrieben, sie hat gesagt, ich darf bei ihr die Fritten wenden wenn ich mich gut anstelle.!“ Voller Freude drehte ich mich im gehen um und Aufseher Braun freut sich auch scheinbar für mich, doch Treun rammte mir sofort den Schlagstock in den Magen. „Blick nach vorne, Pommeswender!“ schrie er, während einer der Insassen mich stützte damit ich nicht hinfiel, ich hatte diesen Typen irgendwo schon einmal gesehen, schlank lange braune Haare zum Zopf geflochten. „alles klar ?“ fragt er auch noch saudoof. „Klar, man!“ Er grinste „klar.“ Einer der Wärter schließt das Tor auf, ein anderer Wartet bis alle durch sind, schließt es wieder ab und das ganze Fünf mal, erst dann können wir an die frische Luft, frei vom Gitterfensterfilter. „ Es freut mich, das du dich um einen Job kümmerst,wenn du hier raus bist und dass du Freunde hast die dir da draußen Helfen, es wird dir gut tun.“ Braun sieht mich zwar selten an, wenn wir reden,weil er den Hof kontrolliert, aber er war immer für mich da, er merkte sich, was ich ihm erzählte und wenn er fragt, wie es mir geht, wenn ich mal nicht zum rausgehen aufstehen mag und lieber einen Tag durchschlafe.
„Danke! Der Aufenthalt hier, hat mir einiges erklärt und hat mich viel nachdenken lassen.“ „ Bereuen sich einfach nur ihre Tat und tun sie so etwas nicht wieder, dafür ist diese Anstalt da, euch zu sagen, was ihr falsch gemacht habt, weil ihr es sonst nicht lernt.“ sein Blick wechselte von dem freundlichen Gesicht, das ich kannte zu einem ernsten Blick, den ich nie zuvor bei ihm gesehen habe, nicht mal, als er in eine Prügelei zwischen Banden eingreifen musste. Langsam geht er seine Runde um das außen Gelände.
Ein Arm legt sich um meine Schulter. „ der ist nur nett, weil er Angst hat, du killst ihn auch noch!“ Ich schlag zu ohne weiter nachzudenken, sehe den Neuen am Boden liegen, reibe meine Handknöchel und hocke mich nieder „ red in meiner Gegenwart kein Bullshit, du Drecks Kerl.“ Die Augen der Wärter durchbohren mich, auch die von Mister Braun, obwohl er seinen Weg weitergeht. Der Frischling am Boden folgt meinen Blick zu Mister Braun und sah mir danach direkt in die Augen, reicht mir die Hand. „ich mein ja nur, wenn du hier raus bist, ist alles anders!“ ich reiche ihm meine Hand und weiß nicht, warum ich dies eigentlich tat. Mit einem Ruck an seiner Hand, zieh ich ihn hoch und klopfe mir den eingebildeten Schmutz von der Knastentracht ab.
„Später ist immer alles anders!“ sage ich zu ihm. Erst beim reingehen, sehe ich den Frischling wieder, er geht vor mir, wir gehen im Gänsemarsch, einer nach dem anderen.
„Mach in der Endphase nun kein scheiß, lass dich nicht nochmal Provozieren, nicht von ihm!“ sagt Mister Braun hinter mir. Ich antworte mit einem Nicken und einen seufzen, welches ein Ja sein soll. Ich weiß, jede dumme Tat kann nun einen längeren Aufenthalt bedeuten, meine frühe Entlassung verdanke ich meiner guten Führung. Aber wieder einmal habe ich bewiesen, das man mir nicht zu nahe kommen sollte. Meine Gedanken waren nun wieder bei ihr, meiner Butterblume, ich will unbedingt an ihrem Grab stehen und ihr sagen, das ich ihr lächeln vermisse und das sie nicht traurig sein darf, weil sie so früh sterben musste. Ich will sie immer noch sehen und besuchen, es tut weh dies nicht mehr zu können.
Es vergehen Tage und Wochen, immer wieder sieht der neue mich an und redet kurze Sätze mit mir, wie es mir ginge,warum ich überhaupt hier bin, wann ich gehen kann und ob wir uns nach dem Knast wieder sehen, ich antworte auf keine dieser Fragen, ich will nichts mit diesen Menschen gemein haben, Verbrecher, alle samt.
Manchmal denke ich über meine Zukunft nach und wie ich Mister Braun bei ihm zuhause besuche, um ihn dafür zu danken, das ich im Knast keinen Mist gebaut habe.
Hier habe ich gelernt, wie man Kleidung näht, eine wundervoll bescheuerte Aufgabe, man legt zwei Stückstoff aufeinander und den Rest macht die Maschine, dafür bekommt man ein wenig Geld und man vertreibt sich ein wenig die Zeit. Meine Fitness hat sich auch sehr verbessert,seitdem ich hier bin.
„Deflair noch eine Nacht, denk dran deine Sachen zu packen und alles besenrein zu machen!“ Ich lege demonstrativ, die Briefe von Miss Finn in eine Kiste, daneben ein paar Fotos von meiner Butterblume sage Fertig. „ was ist mit dem Rest ? Deine CDs und die Zigaretten.“ Fragte er fürsorglich. „Ach, nimm sie für deine Frau, ich brauch sie nicht mehr, außerdem bin ich ab morgen ein guter Mensch, wende Pommes und lebe gesund, sie wird stolz auf mich sein, die gute Misses Finn.“ Braun nickt zufrieden und verlässt mein Zimmer, leise höre ich seine Worte „das ist gut“ An diesem Abend fühle ich mich schon frei,wieder schiebe ich mein Bett zur Seite und schreibe zu meinen Daten „Es gibt keine Blumen, die ewig blühen, aber es gibt Menschen, die jede Blüte zu schätzen wissen“
Am nächsten Tag, stehe ich bereits an meinem Tischchen und warte mit meinem kleinen Karton in den Händen darauf, das Braun mir die Tür aufschließt und mein guter Freund mich in die Freiheit entlässt,lange warte ich auf diese positive Begegnung zwischen uns. Der Sehschlitz der Zelle ging auf und eine dunkle Männerstimme, die ich nicht kenne schrie in einem Militärton, der nichts gutes verheißt „ Zurücktreten, ich schließe nun die Tür auf!“ voller zweifel antworte ich „ ha, okey!“ Der Schlüssel dreht sich im Schloss und mein Herz schlug ins unendliche, die Kiste in meinen Händen schlägt schon Wellen, weil ich sie so drücke. Nur noch wenige Minuten und ein neues Leben beginnt, eine unerwartete Reise.
Der fremde Mann, kontrolliert meine Sachen, meine Kleidung und mein Zimmer, nicht das ich Waffen da gelassen habe,wäre ja schrecklich. Ein Kollege geht vorweg, ich artig mit meinem Karton hinter her und dann kommt dieser neue, den ich zu vor noch nicht gesehen habe. Egal, heute sind meine letzten Minuten, meine Sachen, die ich bei der Festnahme abgeben musste bekomme ich beim her rausgehen wieder. Eine Armbanduhr, Armbänder, ein Feuerzeug mit der Aufschrift einer Metallband, ein wenig Geld, Ausweise, Geldkarten, eben Dinge die man so bei sich trägt, an die Sachen habe ich gar nicht mehr gedacht, Kleidung die ich mir nun Anziehen kann,damit der Taxifahrer keine Angst bekommt, obwohl er mich direkt von der Knasttür abholen wird. Ich zieh mich noch schnell um, dabei hab ich ja nun eigentlich Zeit.
Die Luft scheint hier in Freiheit richtig gut zu riechen, dabei ist es die selbe, die sich durch die Gitterstäbe in meine Zelle verirrt, irgendwie ist nun alles anders, besser, neuer, freier. Ein junger Mann steht neben der Tür, grinst mich an, aber ich erkenne ihn erst auf dem zweiten Blick, ohne Uniform sieht er viel jünger und netter aus, der Herr Braun. „glaub ja nicht, ich fahre jeden Verbrecher irgendwohin!“ grinst er und macht die Zigarette aus. „ Wo willst du hin, wo schläfst du?“ fragt er weiter ohne auf eine Reaktion von mir zu warten. „Ein Hotel oder Motel, ich muss meine Sachen abstellen und dann zu Misses Finn sie wollte mich sofort nach dem Aufenthalt sehen.“ „Gut, dann fahren wir nun nach Misses Finn!“ „nein, Brauni, ich muss erst ein zu Hause haben, damit sie sieht, das ich mir mühe gebe.“ ich habe echt Angst, das Misses Finn nicht mehr möchte das ich für sie Arbeite. „keine Sorge mein Freund, Misses Finn hat bereits ein Zimmer für dich, ich kenne Sie und sie will das du dich wohlfühlst und schnell die Vergangenheit verarbeitest.“ Ich bin verwirrt. „Sie kennen Misses Finn!“ immer noch Sieze ich ihn, diesen wundervollen Menschen, mein einzigen und besten Freund. Er hält mir die Hand hin. „ Wir haben uns erst einmal gesehen, im Gerichtssaal, ich bin Marcus!“ Ein Schlag durchzieht mein Herz, kurz wollte ich ihm in die Arme fallem, erst nun fällt mir auf, wer mein bester Freund ist, der damalige Lebensgefährte meiner Butterblume. Freudig strecke ich meine Hand zu ihm hin. „ich- ich“ stottere ich vor mich hin. „mir war nicht bewusst, aber du bist ihr damaliger Freund gewesen nicht wahr ?“ Sein Blick veränderte sich in eine Mischung aus Freude und Trauer. „Ja, zwei Monate lang, die beste Zeit die ich hatte, ich kann deine Tat nachvollziehen, aber ich empfinde es nicht als richtig, ich bin durcheinander wegen deiner Tat, ich will auch nicht darüber reden, aber ich will, das du wieder klarkommst. Misses Finn war ihre Nachbarin wie du weist, auch sie vermisst sie wahnsinnig, sie braucht wieder jemanden der für sie da ist und sie hat immer gut von dir geredet, sie wollte auch immer das wir uns kennenlernen, aber du kanntest ihre vielen Pläne und das sie immer unterwegs war!“ Ich nicke nur. Keine Ahnung, was man dazu auch sagen soll.
Ein alter Ford Mustang bringt uns zu Misses Finn, ihr Lieblingsauto, das von meiner Butterblume.“tut mit leid, ich muss doch vor her doch noch wohin!“ ich sehe Miss Finn schon an ihrem Fenster stehen, die Gardinen leicht zur Seite geschoben, dass man nur ihre Augen sieht. „wohin willst du?“ „zu ihrem Grab!“ ich schaue auf meine Schachtel, die ich immer noch in meinen Händen umklammere. Er seufzt, dreht aber den Zündschlüssel erneut. „Du brauchst nicht fahren!“Ich zerdrücke ein Teil meiner Kiste und sehe ihn erst nun an und er mich. „schon okey!“ beruhigt er mich, aber ich weiß, dass gerade nun nicht alles okay ist. Vor dem Friedhof bittet er mich, alleine hinzugehen, beschreibt mir den Weg zu ihr und wartet im Auto, meine Kiste lasse ich bei ihm stehen. Langsam gehe ich zu ihr, zum zweiten mal in meinem Leben, gehen meine Füße zu ihr, mein bester Freund wartet im Auto zusammen mit meinen Briefen und den Fotos, die sie mir mal schickte und beim Mord bei mir trug.
Vor dem Grab merke ich erst, wie sehr ich mich an dem einen Tag ihn sie verliebte, wie sehr ich sie wollte und wie sehr ich sie vermisse und nun ist es ausgerechnet Ihre große Liebe, der mir hilft weiter zu leben, der mir eine Chance gibt und auf mich achtet. Ein Mann mit Herz und Heldentum,einen wie du ihn immer wolltest und ich bin nur Musiker. Zuvor hatten wir ein paar Blumen geholt, die ich ihr da ließ.
Im Auto danke ich ihm dafür, er nickt nur. Wieder halte ich die Kiste in meinen Händen auf meinem Schoss fest. Misses Finn begrüßt mich sehr freudig und herzt mich zur Begrüßung, ich fühle mich auf Anhieb wohl, ein Foto von Butterblume und Marcus auf einem Rummel steht auf ihrem Kaminsims, daneben eins von ihrem Hund, ich musste schmunzeln. „Ich habe ihnen das obere Stockwert fertig gemacht, wenn sie möchten, versteht sich, fühlen sie sich nicht gezwungen etwas anzunehmen, nur um nett zu sein, ich will nur helfen und das obere Stockwerk benutze ich eh nicht.“ Ihre Augen wandern in Richtung Krücken, die an ihrem Sofa lehnen in dem sie Sitzt. „Ich nehme es gerne an, ich geh auch für sie einkaufen, ich bin ihnen sehr dankbar, für die Briefe und die Hilfe in der ganzen Zeit.“ „gerne mein Junge!“ sie lächelt zuversichtlich. „So Leute, ich muss zur Arbeit, ihr kommt klar?“ fragt Marcus,bevor er zu seiner Spätschicht aufbricht. Misses Finn und ich nicken sehen uns nur an und nicken. Nachdem ich einige Tassen Tee geleert habe und den wundervoll schmeckenden Kuchen fast allein gegessen habe, zur Freude von Misses Finn, bin ich nach oben und lege meine Kiste auf einen kleinen Schreibtisch. In dem Obergeschoss ist ein eigenes Bad, eine kleine Küche, ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer, eigentlich purer Luxus, ich hab vergessen, zu fragen, wie viel Miete ich zahlen soll. Ich schäme mich für diesen Fehler, setze mich aber erst hin, lasse den geschehenen Tag verstreichen und schlafe auf dem Sofa ein, in den Händen ihr Foto.
Geweckt von dem Duft leckeren Frühstücks, gehe ich von ganz allein nach unten, zähle dabei mein Geld, schließlich muss ich mir auch noch Lebensmittel einkaufen. „ahh, du bist wach, wie wundervoll, ich hab versehentlich zu viel gemacht.“ sie zwinkert mir freundlich zu und bittet mich zum setzten. „ich hab gelogen junger Mann, ich hab mit Absicht so viel gemacht!“ Ihr herzliches lachen übertönt das Radio und die Singvögel im Garten, es brachte den Sonnenschein ins Haus. „ich bin eine kleine Lügnerin.“ wieder lacht sie und steckt mich an. „Wo kann ich hier denn einkaufen gehen ?“ frage ich. „ach und wie viel Miete bekommen sie Misses Finn, von mir?“ sie sah entsetzt aus. „ nichts mein Junge, ich freue mich,nicht mehr allein in dem großen Haus zu sein, ein wenig Haushaltshilfe wäre schön, vielleicht Rasenmähen.“ „gerne Misses Finn!“
So beginnt mein neues Leben mit Misses Finn und Herrn Braun, meinem Besten Freund.