fahrt in die neue Welt
Mitternacht, noch nicht ganz und die Straßen wirken nicht mal wie ausgestorben, wieder unnötiges sorgen machen, wegen irgendeiner Weltuntergangtheorie, schrecklich.
Wobei noch war ja Zeit zum Zerstört werden, man kann ja nicht alles vorziehen, wobei er sich während der fahrt in die Disko immer noch fragte,nach welcher Zeitrechnung die Welt denn nun Untergeht, oder hält die sich an die Zeitverschiebung beim untergehen, dann wäre er ja als Mitteleuropäer gut dran, so bei 0 zu sterben ist sicher eine der besten Methoden, wenn man bedenkt, das sonst eine unnötige Massenpanik ausbrechen könnte und dann muss man seine Sachen festhalten, was eigentlich auch unsinnig ist, wenn die Welt untergeht, aber das sind ja dinge, die Menschen aus Reflex tun.
Lichter zogen an ihm vorbei, wie Sternschnuppen und die Klimaanlage hatte wohl vergessen, das sie die Innenraumluft um-wirbeln soll, wenns anfängt draußen nach Gülle zu miefen. Ja, ein wunder der Technik, Technik die begeistert, seine junge Mitfahrerin hatte auch schon das Gesicht verzogen, was ihn die Frage aufkommen lies. „kommst du vom Land?“ sie schaute ihn irritiert an, hätte er nicht fragen sollen? War es unhöflich ? „nein, ich bin in Berlin geboren, wir sind erst später nach Hamburg gezogen“ er musste grinsen. „Hamburg ist ja, aber auch nicht gerade ländlich.“ ein Auto schoss mit überhöhter Geschwindigkeit an der kleinen Corvette Stingray vorbei, Angeber dachte sich Fabian nur. „ das ist das ländlichste was ich eigentlich kenne“ irritiert schaute er seine junge Mitfahrerin an. „hätte ich das vorher gewusst, wären wir nicht Autobahn gefahren.“ er lächelte, hörte aber gleich wieder auf, als er merkte, das sie es nicht tat. „ du redest nicht gerne was?“ eher eine Feststellung als eine Frage, sie saß nun schon eine Stunde neben ihm und wirklich mehr geredet außer, wie es ihr geht und ob sie den Treffpunkt gleich gefunden hat, war auch nicht.
„ne, bin eher ein ruhiger Mensch“ sie schaute auf seine verniedlichte Voodoofigur unter dem Rückspiegel, das vor sich hin baumelte. Wieder grinste er „ ist doch vollkommen okay, ich kenne viele die eher ruhig gegenüber andere sind, aber wenn ich doof fahre oder die Musik dir nicht gefällt, musst du es sagen, wir können auch gerne deine Musik hören, wenn du was dabei hast, wir fahren ja sicher noch ne stunde, wenn das mit den Baustellen so weitergeht“ „ne, schon okey.“ sie wirkte schon geistig abwesend. Er kannte es das Leute,die er über eine Internet Community immer anders auf ihn reagieren, als sogenannter Gothic fällt man eben aus der Spur und viele wussten nicht, wie sie darauf reagieren sollten, aber sie trug selber Plateau -schuhe und roch nach süßlichen Patchoulie, ihre Lippen schwarz geschminkt und ihre Haare benötigten eine neue Färbung. Kein wunder, das sie bei ihm mitfahren wollte, sicherlich zerrte sie momentan an jedem Cent und dabei sind sie auf dem gleichen weg. Eine Ausnahme in seiner langen Mitfahrgelegenheits-kariere, junge Mädchen fährt er meist direkt dahin, wo sie hin wollen, damit er sich ein wenig sicherer war, das sie heile ankamen. Eine kleine Macke, seitdem er wusste das seine Dreamlady ebenfalls pflegte per Mitfahrgelegenheiten aus dem Internet hin und her zu reisen, meist rechnete sie ihm auch noch aus, was sie damit spart, wenn er auch nur andeutete, das er das nicht ganz so prima findet. Er weiß, das es weniger böse Schurken auf dieser Welt gibt, als die Medien einen einreden, aber seine Lady, war nun mal eine süße, die es drauf hatte, wie er fand, dabei hatte er sie noch nie gesehen.
Durch einen gemeinsamen Kumpel hatte er sie übers Internet kennengelernt, sein Kumpel hatte von ihr geschwärmt, das sie super drauf sei, eine kleine Rock'n rollerin, noch mit alten Gothic-werten, was auch immer das genau hieß. Aber er fand sie wahnsinnig sympathisch schon am ersten Abend, an dem sie gemeinsam geschrieben hatten und auch von den Fotos her, fand er sie toll. Er wartete manchmal Abends extra auf sie, wenn sie von der Spätschicht nach Hause kam, um ihr zumindest noch Gute Nacht zu sagen und das schätzte sie auch, klar war ihm bewusst, das man nicht von großer Liebe reden kann und er wusste auch das sein Kumpel sagte, das sie gut aussehen kann, wenn sie will, aber eine kleine Macke am Körper hat, als er sie drauf ansprach, hatte sie das Thema gewechselt, aber auf den Fotos ist ihm wirklich nichts sonderliches aufgefallen, was bei ihr anders war, als bei anderen.
„Wie lange fahren wir noch ungefähr?“ ohh, seine Nachbarin konnte also doch von alleine reden. „so ungefähr eine halbe stunde, soll ich dich woanders abliefern oder bleibt es beim Tivoli?“ „ne, bleibt dabei, warst du da schon mal?“ „ ja, ist aber schon...“ er dachte ein wenig nach. „ boahr, ich glaub 5 Jahre her, aber soll sich nicht großartig verändert haben.“ Sie machte ein zustimmendes Geräusch. „dein erstes mal?“ sie grinste, ahh also eine die nur auf unschuldig macht, einige sind halt doch durchschaubar. Sie schaute ihn an „ ja, eine Freundin ist nach Bremen gezogen und wollte das ich unbedingt mal hinschaue.“ „ahh, okey, das klingt doch mal nach was, es ist immer gut mehr von der Welt zu sehen.“ Sie lächelte wieder sanft. „hast du eine Freundin, die du besuchen fährst?“ Ihr blick bohrte sich Forschend durch ihn hindurch, obwohl er auf das Auto vor sich starte, das scheinbar nur langsamer fuhr, damit er ihn überholte. „ nein, aber eine potentielle“ die lichter der Autoarmatur funkelte nicht mal annähernd so wie seine Augen in diesem Moment und das merkte sie. „ wieso hast du Interesse?“ fragte er ohne zu vergessen danach zu lachen, um sie nicht in Verlegenheit zu bringen, denn wenn er was gelernt hatte in seinem 29 jährigen Leben, dann war es Frauen niemals in verschämter Verlegenheit zu bringen. Seine Rettung, ein Song aus seiner nachträglich eingebauten Anlage. „ahh Wahnsinn, den Song liebe ich.“ Monoton und minmal, hieß es, sie lächelte verlegen, Mist, hat er sie doch in Verlegenheit gebracht, das wollte er nicht. „ der Song ist total alt, aber du siehst wirklich gut aus, hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir was anderes angezogen.“ Pass bloß auf, meine kleine ist eifersüchtig, die reißt auch kleinen hübschen Ladys die Köpfe ab, wieder lachte er, weil er sich wirklich vorstellen konnte, das sie so was machen würde. „die alten Songs sind die Besten, das ist wie mit Autos, was sich Jahre hält, wird dich auch bis zum tot begleiten“ „ das doch Schwachsinn.“ „Vielleicht, aber ich mag mein Auto“ ihre graubraunen Augen wanderten über die Innenausstattung der alten Corvette, als müsste sie sich nach der ein stündigen fahrt noch davon überzeugen, in was für einen hübschen Auto sie saß, er wusste, das seine Lady, dieses Auto lieben würde und da er sie heute Nacht vorhatte nach Hause zu fahren, war das ideal.
Es würde für ihn die Beste Nacht der Welt werden, so glaubte er, schließlich war er gutaussehend, was ihm immer wieder gesagt wurde und er weiß es zu verstehen charmant zu sein. Ihr gegenüber musste er sich viel mühe geben, ohne sie zu kennen hatte er das Gefühl sie sei die richtige und das er schon seid Monaten mit ihr zusammen ist. „willkommen in Bremen!“ rief er, während er die Hände vom Lenker nahm und kurz freudig damit wedelte, um sie dann direkt wieder ans Lenker zu pressen. „aber in Bremen warst du schon mal?“ „nein! Ich bin nie weiter als Berlin und Hamburg gekommen“ er sah sie verdutzt an. „na dann wird das Zeit. Ich weiß, man fragt nicht, aber wie alt bist du eigentlich?“ sie lächelte, wie eine kleine Minisonnenblume „ wie alt schätzt du mich?“ „hui, sehr jung, ich kann so was nicht schätzen. 18 ? 19?“ „die meisten schätzen mich älter, bin 20“ „na sie einer an, da lag ich doch ganz gut.“ selbstzufrieden grinste er.
„so, nun muss ich mal schauen, wo man hier parken kann, alles haben die mir erklärt, aber die Beschreibung zum Parken war ein reinste Horroranhörung.“ einige Gothics kreuzten bereits die Straße und gingen in ein Gebäude mit Neonleuchtschrift, ein altes Gebäude, neu bepinselt, eine guter erster Eindruck, das schon mal einiges Wert, im Lokal nebenan, war auch einiges los. Doch Parken scheint hier eine doch recht kritische Sache zu sein. Da kommen Heimatgefühle auf, in Hamburg sucht man sich auch tot, vor allem, wenn man nicht will, das die erste leichte Dame ihren Macker anruft um den Wagen kurzzuschließen und zu so was hatte er heute keine Lust.
„soll ich dich schon mal raus lassen?“ „nene, such ruhig erst noch, zu zweit finden wir sicher ein Parkplatz.“ schon 23 Uhr, laut seiner kleinen, war hier noch nichts los um 23 Uhr.. Bremer sind sonderbar. Hamburg ist die Zeit egal, da ist immer irgendwo was los, selbst wenn man es gar nicht will oder erwartet. Hamburg rockt eben mehrmals Bremen, er muss sie davon überzeugen zu ihm zu ziehen oder gute Argumente für Bremen finden, er überstürzt es schon, das ihm vorher noch nie passiert.
„ da da hinten, da ist noch einer“ unterbrach sie seine Gedanken und „ ahh wunderbar, du bist somit zu einer der besten Mitfahrerinnen aufgestiegen“ sie lachte, sie lachte wirklich, ein herzliches lachen. Er manövriert die noble Karre in die Parklücke in einer gerade so ausreichend beleuchtende Nebenstraße.
Er atmete kurz durch als der Wagen stand und er den Schlüssel aus dem Zündschloss zog, er lächelte sie an. „gratis fahrt, ich hab gute Laune.“ langsam öffnete sie ihre Lippen zu einem zarten „danke.“ „gerne doch.“ Sie öffnete die Beifahrertür und stieg aus, er dachte sich, das er sie nun nur noch ein paar mal sehen würde, flüchtig in der Diskothek und das ist auch gut, er mag diese stillen pseudo- gothic Kinder nicht, klar sie ist kein Kind mehr, aber auch nicht erwachsen genug um wirklich in der Szene zu sein, irgendwas stimmte nicht an ihr, ihr Outfit, sie hatte sich in seinen Augen noch nicht selber gefunden und das muss man um das gewisse etwas zu haben, aber nun roch sein Wagen jedenfalls ein wenig nach süßen Patchouli. Andere hätten ihr in Gedanken für so was den Kopf abgerissen. Ja, manchmal sind so einfache dinge todbringend.
Nochmal atmete er tief durch,als jemand an seiner Scheibe klopfte, er lachte und stieg aus. Mit einer feierlichen Umarmung und mehr als nur freudiges gehüpfe begrüßten sich Mark und Fabian. „hab deine schicke Limo gesehen, da dachte ich, ich mach mal ein auf Abholservice.“ Mark grinste selbstsicher. „du bist der beste Mann.“ „und wer ist die junge Lady?“ sie stellte sich selber vor, dabei war Fabian davon ausgegangen, das sie bereits auf den weg in die disko war und nun stellt sie sich auch noch selber vor, kein gutes Zeichen. „ich bin Kati, Fabian hat mich aus Hamburg mitgenommen.“ Im Auto war sie noch so still und nun drängt sie sich rein, sonderbar. „Mitfahrgelegenheit“ fügte Fabian noch schnell hinzu.
„na da kann die Party ja losgehen! Ist deine Schnecke schon da?“ „müsste eigentlich, sie wollte mit Freunden in einer Kneipe essen und was trinken und dann direkt hierher.“ „hui selber am abfüllen, Traumfrau“ Fabian boxte Mark in die Seite. „Idiot!“ und sie gingen in Richtung neues Leben.
nanjo am 16. Januar 14
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